Montag, 11. Dezember 2017 
   

Hundekauf

Entscheidungshilfe zum Erkennen eines seriösen Hundezüchters
Was gibt es schöneres als junge Hunde. Wenn Sie auf ihren tapsigen Pfoten auf den Menschen zulaufen und ihn mit ihren großen Augen ansehen, schmilzt auch das härteste Herz und meistens verschwinden auch alle guten Vorsätze. Es ist schwer sich dieser Wirkung zu entziehen (ich selber bin sehr anfällig dafür) und schon mancher fand sich nach einem unverbindlichen Besuch, frei nach dem Motto: «Ach komm, wir gehen nur mal gucken», anschließend als stolzer Hundebesitzer wieder. Ist er nicht süss? Sicher, aber widerstehen Sie Spontankäufen! Sie tun weder sich noch dem Hundewelpen einen Gefallen. Die übervollen Tierheime zeugen leider davon.
Damit Ihr neuer vierbeiniger Mitbewohner Ihnen viel Freude macht gilt es einiges zu bedenken. Wir wollen Ihnen keinesfalls die Anschaffung eines Hundes ausreden! Aber im Interesse der Hunde möchten wir Sie an einige Pflichten, die als Hundehalter auf Sie zukommen werden, erinnern. Wenn einer oder mehrere der folgenden Punkte auf Sie zutreffen, sollten Sie vom Kauf eines Hundes Abstand nehmen: Sie sind allein und ganztägig berufstätig oder außer Haus. Auch wenn die Sehnsucht nach einem «Kameraden» noch so groß ist, Sie tun weder sich noch dem Hund einen Gefallen. Sie fürchten den Aufwand, den Hund in der Wohnung zu halten (der Hund kann haaren und riecht manchmal), und wollen Ihn deshalb ständig im Zwinger halten. Der Hund ist ein Rudeltier und braucht die sozialen Kontakte zu «seinen» Menschen, ansonsten verkümmert er. Ihre Freizeit oder Gesundheit erlaubt es nicht, ihrem Hund täglich mindestens zwei Stunden Bewegung im Freien zu ermöglichen. Sie haben keine Lösung bei unvermeidlichen längeren Abwesenheiten, z.B. Flugreisen im Urlaub. Es gibt zwar hervorragende Hundepensionen, aber die Unterbringung Ihres Hundes dort sollte eher die Ausnahme denn die Regel sein. Nicht alle Mitglieder Ihrer Familie stehen ausnahmslos hinter der Entscheidung, sich einen einen Hund anzuschaffen. Kaufen Sie NIE einen Hund, nur weil ihre Kinder den Welpen so süß finden. Die Begeisterung läßt meistens sehr schnell nach und die Pflege, das Gassigehen, Sauberhalten und die Tierarztbesuche bleiben dann an der Hausfrau oder dem Hausmann hängen.

Pflichten und Einschränkungen, die auf Sie zukommen werden
Mit der Anschaffung eines Hundes binden Sie sich für zehn Jahre und länger. Die tägliche Pflege, Auslauf und das Spiel mit Ihrem Hund gehören dazu.Ein Hund wird nie «selbständig». Er wird immer auf Sie angewiesen sein.
Die Folgekosten für einen Hund übersteigen die Anschaffungskosten bei weitem. Futterkosten, Tierarztkosten, Hundesteuer, Versicherungen usw. Dies alles summiert sich im Laufe eines Hundelebens zu einer nicht unerheblichen Summe. Bei großen Hunden ist evtl. irgendwann die Anschaffung eines Kombis erforderlich.
Die Auswahl der Urlaubsorte ist eingeschränkt. Nicht jedes Hotel oder Campingplatz erlaubt das Mitbringen von Hunden.
Ein Hund macht ebensoviel Mühe wie die Erziehung eines Kindes.
Eine günstige Voraussetzung für den Hundekauf ist gegeben, wenn der Tierfreund in keiner Hinsicht unter Zeitdruck steht. So wird er in die Lage versetzt, bereits geraume Zeit vor der Anschaffung eines Hundes verschiedene Züchter zu besuchen und dort einen Wurf zu begutachten. Im Gespräch kann er sich ein Bild von der Person des Züchters und seinen Motiven machen. Da der Eindruck, den Menschen auf uns machen, sehr subjektiv ist, habe ich die objektiven Kriterien zusammengestellt und überlasse den Rest Ihrer Menschenkenntnis.
Sie sind wirklich fest entschlossen einen Welpen ins Haus zu holen. Herzlichen Glückwunsch! Jetzt sollten Sie sich folgende Fragen stellen:
Welche Hunderasse soll es sein? Rüde oder Weibchen? Wo kaufe ich den Hund ?
Es gibt mehr als 250 Hunderassen und unzählige Mischlinge. In der Regel werden Sie sich mit einer Hunderasse beschäftigt haben und wissen schon, welcher Hund Sie voraussichtlich in den nächsten 10 bis 15 Jahren in Ihrem Leben begleiten soll.
Rüde oder Weibchen? Wie immer und überall im Leben gibt es bei beiden Vor-und Nachteile, die wir nachfolgend aufführen: Rüden: 1. Rüden heben beim Gassigehen das Bein und setzen überall Ihre Duftmarken. Das verlängert schon einmal den Spaziergang. 2. Ist eine läufige Hündin in der Gegend, kann der Rüde «liebeskrank» werden und alles daran setzen zu der Hündin zu gelangen. Das bedeutet unter Umständen die Abwesenheit des Hundes für Stunden oder auch für Tage.
Weibchen: Hündinnen werden zweimal im Jahr läufig und können während dieser Phase Nachwuchs empfangen. Hier heisst es wachsam sein und die Hündin nicht unbeaufsichtigt nach draußen lassen.
Wo kaufe ich den Hund? Diese Frage zu beantworten ist nicht ganz einfach. Die nachfolgenden Tipps stellen eine erste Entscheidungshilfe dar. Der nachfolgende Text ist ein Auszug aus dem Artikel «Tierhändler und Massenzüchter» vom Autor, Herr Thomas Schoke.

Faktoren die eine gute Zucht kennzeichnen

  • Der Zuchtbetrieb ist auf eine Rasse spezialisiert.
  • Die Zucht ist so klein, daß die Hunde ständigen Familienanschluß haben.
  • Den Hunden steht ausreichender Platz in Haus und Garten zur Verfügung.
  • Wurfkiste, Hunde und das ganze Gelände sind sauber und geruchsfrei.
  • Die Mutter der Welpen ist anwesend, vom Deckrüden liegen aussagekräftiges Dokumente mit Namen und Adresse des Besitzers vor.
  • Die Welpen sind lebhaft, neugierig und zutraulich, die Mutter reagiert auf Ihren Besuch weder gereizt noch aggressiv.
  • Mutter und Welpen zeigen gegenüber der Person des Züchters unerschütterliches Vertrauen und deutlich erkennbare Zuneigung.
  • Der Züchter hat die Befunde der HD - Untersuchungen beider Zuchttiere in Form eines offiziellen veterinärmedizinischen Gutachtens vorliegen. 
  • Alle Unterlagen über die Zuchttiere und die Welpen liegen vor. (Ahnentafeln der Eltern, Urkunden über eventuelle Auszeichnungen und Leistungsprüfungen sofern nicht in der Ahnentafel eingetragen, Kopie des Deckscheines, Kopie der Wurfabnahme, Impfbücher der Welpen, etc.)
  • Der Züchter nimmt sich Zeit, Ihre Fragen zu beantworten, und verzichtet dabei sowohl auf Fachchinesisch wie auch darauf, seine Hunde über den grünen Klee zu loben.
  • Der Züchter macht keinen Versuch, dem Interessenten einen Hund aufschwatzen zu wollen und unterläßt Preisvergleiche mit der Konkurrenz.
  • Der Züchter bleibt auch dann freundlich und gesprächsbereit, wenn Sie durchblicken lassen, daß Sie heute auf keinen Fall einen Hund mitnehmen werden und eventuell bis zum nächsten Wurf abwarten wollen.
  • Der Züchter erkundigt sich nach den zukünftigen Haltungsbedingungen für seinen Hund.
  • Die Welpen machen einen lebhaften und gesunden Gesamteindruck und sind bei der Abgabe mehrmals entwurmt, geimpft und bereits mit einem Mikrochip versehen.
  • Der Züchter nennt auf Ihre Frage einen angemessenen Preis für seine Welpen ohne wenn und aber.
  • Die Welpen reagieren weder auf laute Geräusche noch auf schnelle Bewegungen schreckhaft. Spielen Sie eine Weile mit den Welpen, um ihre Reaktionen zu testen.

Faktoren die auf fragwürdige Umstände hinweisen

  • Der Zwinger bietet verschiedene Rassen an. Desto mehr, desto schlimmer!
  • Der Zuchtbetrieb gleicht einer Hundefabrik oder ist Grundlage einer Vollexistenz. Die Welpen wachsen ohne ständigen Kontakt zu Menschen auf.
  • Die Hunde sind in engen Boxen zusammengepfercht, oder es gibt andere Hinweise darauf, daß die Hunde nicht artgerecht gehalten werden.
  • Mutter oder Welpen zeigen Angst, Abneigung oder mangelnde Vertrautheit gegenüber der Person des Züchters.
  • Der Verkaufsort ist nicht gleichzeitig auch die Zuchtstätte oder der Verkäufer verwehrt Ihnen unter Vorwänden die Besichtigung der Wurfkiste.
  • Die Welpen haben stumpfes oder verklebtes Fell, trübe Äuglein, schmutzige Ohren oder kratzen sich auffällig oft.
  • Der Züchter gibt sich sehr beschäftigt oder spricht lieber von seinen günstigen Preisen als von den Hunden.
  • Der Züchter bietet Ihnen einen Welpen zum halben Preis, dafür aber ohne Papiere an oder er versucht zu beweisen, daß ein Hund dieser Rasse nicht billiger zu bekommen ist.
  • Der Züchter weicht Ihren Fragen aus oder flüchtet sich in Ausreden, wenn geforderte Unterlagen nicht zur Hand sind.
  • Dem Züchter mangelt es offensichtlich an Basiswissen und er versucht wortreich von seinen Defiziten abzulenken.
  • Der Züchter sichert zu, seine Hunde hätten keinesfalls HD, oder es gibt keine Unterlagen aus denen der HD - Status der Elterntiere zweifelsfrei hervorgeht.
  • Die Welpen reagieren auf Ihr Erscheinen schreckhaft, ziehen sich langsam zurück, sind phlegmatisch oder wollen nicht spielen.
  • Das Muttertier ist nicht anwesend, reagiert abweisend, aggressiv oder zeigt deutliche Anzeichen "züchterischer" Überbeanspruchung.
  • Die "Zuchtstätte" befindet sich in einer Mietwohnung.
  • Die Welpen sind in der achten Lebenswoche noch nicht geimpft oder entwurmt.
  • Im Impfpaß fehlen Daten oder die Etiketten des Impfstoffes sind nicht eingeklebt. Verschiedene Handschriften und verschmierte Stempel deuten auf Fälschungen hin!
  • Die Zuchtunterlagen zeigen für eines der Elternteile nur eine Bewertung von "Gut" oder "Genügend".
  • Der Züchter lobt seine Hunde ausgiebig und verweist auf Erfolge bei Zuchtschauen, ohne entsprechende Unterlagen vorweisen zu können.
  • Der Züchter läßt erkennen, daß der Welpe möglichst schnell verkauft werden soll oder muß.
  • Der Züchter bietet an, den gewünschten Hund kurzfristig "zu besorgen".
  • Der Züchter reagiert auf Ihre bohrenden Fragen aggressiv oder abweisend. Nur wer etwas zu verbergen hat, wird kein Verständnis für das Interesse eines Hundekäufers aufbringen.
  • Der Züchter ernährt seine Welpen mit Billigfutter anstatt mit einem, dem Alter der Welpen angepaßten, hochwertigen Aufzuchtfutter.

Wird von einer Zuchtstätte auch nur eines der negativen Kriterien erfüllt, rate ich Ihnen dringlich, die Verhältnisse dieser Zucht doppelt und dreifach zu überprüfen und im Zweifelsfall einen anderen Züchter aufzusuchen. Fragen Sie gegebenenfalls bei dem zuständigen Rassehundeverein nach einer Liste der eingetragenen Züchter. Die schwarzen Schafe der Branche sind den Zuchtvereinen wohlbekannt, und diese Adressen werden üblicherweise nicht an Interessenten weitergegeben. Die Zuchtvereine unterhalten zumeist eine Welpenvermittlung, bei der Sie Informationen über alle von seriösen Züchtern gemeldeten Würfe erhalten können. Aber selbst dieses Verfahren bietet keine Garantien und eine umfangreiche in Prüfung des Zuchtbetriebes durch den Welpenkäufer ist unerlässlich. Hüten Sie sich vor Schnäppchen. Unseriöse Züchter werden versuchen, potentielle Käufer notfalls mit einem «günstigen» Angebot zu locken. Zeitgenossen, die alle Vorsicht fahren lassen, wenn die Aussicht besteht, ein vermeintlich gutes Geschäft zu machen, sind besonders gefährdet einem der schwarzen Schafe der Branche aufzusitzen. Kein seriöser Züchter kann ein Interesse daran haben, den Marktpreis für seine Rasse zu verderben, indem er überzählige Welpen zum Angebotspreis verschleudert.
Das Wichtigste zum Schluß: Lassen Sie Ihren gesunden Menschenverstand walten. Wer dreißig, vierzig oder gar fünfzig Welpen auf seinen Webseiten anbietet, ist niemals ein Züchter mit «edlen» Motiven sondern beweist, daß er gnadenlos am Bedarf vorbei züchtet und auf die Tiere keine Rücksicht nimmt. Wo bleiben wohl die Hunde, die keinen Käufer finden?